Portrait #1: Wietje Nolte aus Stralsund


Wietje Nolte hat schon früh aufs Pferd gesetzt, privat wie beruflich gehört den Rössern ihre ganze Leidenschaft. Foto: Peter Tendler

Tierisch erfolgreich im Beruf und Hobby

02. April 2020 - Stralsund, Paris, Wageningen in den Niederlande, Rostock, Dummerstorf und Moritzburg – das sind die Orte der noch recht jungen Wissenschaftlerkarriere von Wietje Nolte, die aktuell am FBN promoviert. Darüber hinaus führten sie Praktika und Auslandssemester während des Studiums und der Promotion nach Wien und Belmont in Irland sowie ins australische Brisbane.

Als gebürtige Stralsunderin hat sie nach dem Abitur ihre Koffer gepackt und ist zunächst nach Paris gegangen, um danach in Wageningen an der Hochschule Van Hall Larenstein (Niederlande) Tierwirtschaft zu studieren. Im Anschluss hat sie in Rostock einen Master of Science in Nutztierwissenschaften erworben.

Im Zuge ihrer Masterarbeit kam sie mit der Leiterin des FBN-Instituts für Genombiologie, Professorin Dr. Christa Kühn, zusammen. Die Institutsleiterin war es auch, die der heute 29-Jährigen anschließend eine Promotion angeboten hat. „Aufgrund meiner guten Erfahrungen während meines Masterstudiums an der Universität Rostock habe ich diese Chance 2017 sehr gern wahrgenommen“, so die junge Wissenschaftlerin. Damals hatte die Pferdeliebhaberin und leidenschaftliche Reiterin die Populationsstruktur von Warmblütern anhand von genomischen Daten untersucht.

Geheimnissen der Rindergenomik auf der Spur

In ihrer Doktorarbeit und als wissenschaftliche Mitarbeiterin am FBN befasst sich Wietje Nolte ebenfalls mit einem genombiologischen Thema. Sie untersucht eine besondere Gruppe genomischer Elemente - lange nicht-kodierende RNAs (lncRNAs), also große Ribonukleinsäuremoleküle - am Rindermodell.

Diese „produzieren“ bzw. kodieren keine Proteine, übernehmen dafür aber andere wichtige Funktionen im Organismus. „Allerdings sind die konkreten Aufgaben für die meisten lncRNAs in der Zelle noch weitestgehend ungeklärt“, beschreibt Wietje Nolte ihren Forschungsansatz. „Nur etwa zwei Prozent der Bausteine im Genom sind Gene, die Proteine kodieren – lncRNAs gehören zu den anderen 98 Prozent. In meiner Promotion analysiere ich den Einfluss dieser speziellen RNAs auf die Genexpression und Stoffwechselprozesse beim Rind. Diese haben beispielsweise Auswirkungen auf den Fleischansatz oder die Milchleistung beim Rind.“

Dabei übernimmt die Doktorandin vor allem die bioinformatische Auswertung der Genexpression. Die erste Publikation zur Promotion wurde im November vergangenen Jahres bereits im Journal „Frontiers in Genetics“ veröffentlicht, zwei weitere Manuskripte stehen kurz vor dem Abschluss.

Die nächste Station nach ihrer Promotion steht indes schon fest. In Sachsen unterstützt sie seit Januar als Referentin für Pferdehaltung beim Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie unter anderem den hiesigen Pferdezuchtverband und die Sächsische Gestütsverwaltung.

Ruhige Hand an der Staffelei und fest im Sattel

Nicht nur beruflich befasst sich die junge Wissenschaftlerin mit Tieren und ihrer Genetik. Seit frühster Kindheit malt und reitet die Stralsunderin leidenschaftlich gern und hat sich als Künstlerin inzwischen schon einen Namen in der Szene gemacht.

„Pferde haben mich seit jeher fasziniert. Sowohl als Malerin als auch als Reiterin. Ross und Reiter verbindet eine innige Beziehung und es reizt mich immer wieder, diese Persönlichkeit und den Charakter der Pferde für deren Besitzer auf der Leinwand festzuhalten.“

Inzwischen hat Wietje Nolte ihr Repertoire längst erweitert und verewigt auch andere tierische Lieblinge oder wild lebende Tiere sowie Menschen und Landschaften mit Bleistift oder Pinsel. So sind schon viele lebensechte Porträts von Wölfen, Katzen, Vögeln oder Hunden entstanden.

Wer sich für ihre künstlerischen Werke interessiert, erhält einen guten Einblick auf ihrer Internetseite
https://www.wietje-nolte.com.