HenBiota-Untersuchung der komplexen Wechselwirkungen zwischen Ascaris, dem Darmmikrobiom des Wirts, dem Ascaris-Mikrobiom und der Ernährung bei Legehennen mit Auswirkungen auf den Stoffwechsel und das Immunsystem
Kontakt: Oyekunle John Oladosu
Laufzeit: 2025-2028
Förderung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)
Zusammenfassung:
Die zunehmende Verbreitung von alternativen Haltungssystemen (ohne Käfighaltung) mit hohen Tierwohlstandards für Geflügel birgt ein erhöhtes Risiko für gastrointestinale Nematodeninfektionen. Nach der Aufnahme von befruchteten Wurmeiern durch das Huhn können Nematoden den Darm besiedeln und mit den ansässigen Bakterien interagieren. Diese Interaktion kann die Ansiedlung von Parasiten begünstigen oder des Darmmilieu, und damit auch die Diversität des Darmmikrobioms verändern, welches wiederum funktionelle Auswirkungen auf den Stoffwechsel und die Immunität der Hühner hat. Allerdings sind die Mechanismen, die der Interaktion zwischen pathogenen Nematoden und der kommensalen Mikrobiota zugrunde liegen, bislang nur unzureichend beim Geflügel erforscht.
Der Spulwurm Ascaridia galli gehört zu den am weitesten verbreiteten Nematoden bei Hühnern. Bei Legehennen aus ökologischen Betrieben liegt die Prävalenz dieses Parasiten in Deutschland bei bis zu 88 %. Der Parasit führt insbesondere bei Hochleistungsgenotypen zu einer Verringerung der Wachstumsrate und Produktivität, indem er die Futteraufnahme und die Futterverwertung beeinträchtigt. In Anbetracht der zentralen Bedeutung von Geflügel als Proteinquelle und des am schnellsten wachsenden Agrarsektors, in dem die Nachfrage nach Eiern bis 2050 voraussichtlich um 65 % steigen wird, stellen sich neue Herausforderungen im Zusammenhang mit tierwohlgerechteren Haltungssystemen.
Neuere Erkenntnisse unterstreichen die Bedeutung des Darmmikrobioms für die Gesundheit von Hühnern. Es wird angenommen, dass externe Umweltfaktoren, welche die funktionelle Diversität des Mikrobioms beeinflussen, erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit und Produktivität von Legehennen haben können. Die Zufuhr von Präbiotika (z.B. Inulin) im Futter kann die mikrobielle Fermentation im Darm anregen und die Produktion von kurzkettigen Fettsäuren sowie essenziellen Nährstoffen fördern, was sich allgemein positiv auf die Gesundheit und das Wohlbefinden von Hühnern auswirken kann. Allerdings ist die Präbiotikagabe während einer Nematodeninfektion bislang kaum erforscht. Erste Hinweise deuten darauf hin, dass der Einsatz von Präbiotika die Ansiedlung von Parasiten begünstigen können, indem sie die Darmumgebung und die immunvermittelten Mechanismen der Wurmausscheidung verändern.
Das Projekt HenBiota verfolgt das Ziel, Fortschritte in der Omics-Technologie zu nutzen, um die dynamischen Interaktionen zwischen A. galli und der Mikrobiota des Huhnes aufzuklären. Des Weiteren werden die Auswirkungen einer Inulin-Supplementierung auf die Darmgesundheit, die Legeleistung der Hennen, die Mechanismen der Wurmausscheidung sowie die Interaktionen zwischen der Mikrobiota des Huhnes und der von A. galli untersucht. Die Ergebnisse werden neue Erkenntnisse für die Entwicklung nachhaltiger Strategien zur Verringerung der Auswirkungen von Helmintheninfektionen und zur Verbesserung der Darmgesundheit von Hühnern in tierwohlgerechteren Haltungssystemen liefern.