Welche Forschungsthemen bewegen die Menschen?

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MeLa-Besucher interessieren sich vor allem für artgerechte Tierhaltung und das Tierwohl

Auf der diesjährigen 27. Fachausstellung für Landwirtschaft und Ernährung, Fischwirtschaft, Forst, Jagd und Gartenbau (MeLa) im September in Güstrow hat das Leibniz-Institut für Nutztierbiologie Dummerstorf eine Aktion zur Besucherbefragung mit Themenkarten  gestartet. Ziel der Initiative war, die Besucher unter dem Motto „Weiter so?“ nach ihrer Meinung über künftig relevante Forschungsfelder in der Milchkuh- und Geflügelhaltung zu befragen. Dazu wurden auf den Themenkarten Fakten zur Entwicklung der Milch und Eierproduktion der letzten Jahrzehnte plakative zusammengetragen und Ausblicke gegeben.  Es waren keine Antworten vorgegeben. Die Auswertung hat nun ergeben, dass mehr als ein Drittel  der Teilnehmer die Themen artgerechte Tierhaltung und Tierwohl hervorgehoben haben.

„Die Kartenaktion des FBN auf dem Gemeinschaftsstand der Agrarforschungseinrichtungen in MV (im Rahmen dessen Gesamt-Mottos „Agrarforschung Gestern – Heute – Morgen“) hat unsere Erfahrungen bestätigt, dass immer mehr Menschen über relevante Forschungsthemen mitentscheiden und an Lösungen mitwirken wollen“, betonte FBN-Vorstand Prof. Klaus Wimmers. „Die Bürger interessieren sich stark für eine artgerechte Tierhaltung und möchten Rahmenbedingungen sehen, die den Tierhaltern auf lange Sicht ein auskömmliches Einkommen sichern.“ Man kann diese Aktion auch als einen ‚Citizen Science‘-Ansatz des FBN sehen. Dies ist nach einer repräsentativen Umfrage des Wissenschaftsbarometers 2017* in Deutschland rund 56 Prozent aller Befragten wichtig oder sogar sehr wichtig. Klima und Energie sowie Gesundheit und Ernährung werden dabei als am bedeutendsten für zukünftige Forschungsaktivitäten betrachtet.

An den vier Veranstaltungstagen haben sich mehr als 200 MeLa-Besucher an der Umfrage beteiligt. Die Frage „Welche Forschungsaspekte sind Ihnen in der Zukunft wichtig?“ wurde von 199 Teilnehmern beantwortet. „Viele Menschen wünschten sich eine Verknüpfung biologischer Forschung mit ökonomischen oder gesellschaftlichen Fragestellungen“, so Wimmers.

Auf zwei Themenkarten wurden Aspekte und aktuelle Forschungsaufgaben moderner Tierhaltung bei Milchkühen und in der Geflügelzucht thematisiert (s. Anlage). Bei den 97 komplett ausgefüllten Karten zu Milchrindern nannten die MeLa-Besucher 32 mal Tierwohl und die artgerechte Haltung als vorrangigstes Ziel, gefolgt von Futtereffizienz und Methanreduzierung (15), Weidehaltung und ökonomischer Nachhaltigkeit (14), Langlebigkeit (13) und besserer Milchqualität (11); Mehrfach-Antworten waren möglich und erwünscht. Bei den 102 Geflügel-Karten war den Teilnehmern vor allem die artgerechte Haltung (37) wichtig sowie das Zweinutzungshuhn und somit das Überleben der männliche Küken (29), aber auch die effiziente Futterverwertung (10) dicht gefolgt von Verminderung des Antibiotikaeinsatzes, ökonomische Nachhaltigkeit und Freilandhaltung.

*Das Wissenschaftsbarometer erhebt seit 2014 jährlich Einstellungen der Bürger in Deutschland gegenüber Wissenschaft und Forschung. Die Initiatoren, die gemeinnützige Organisation „Wissenschaft im Dialog“ (WiD), setzen sich für den öffentlichen Austausch über Wissenschaft und Forschung in Deutschland ein und wollen dabei möglichst viele Menschen an den Diskussionen beteiligen. Alle Ergebnisse der Befragung 2017 sowie weitere Informationen und Hintergründe sind unter www.wissenschaftsbarometer.de einsehbar.

Foto: privat
Die große Resonanz auf die Postkartenaktion hat die Initiatoren am FBN positiv überrascht. Dr. Norbert K. Borowy (li.) diskutiert auf der MeLa mit einer Besucherin über neue Forschungsaufgaben in der Tierproduktion.

Anlage: Postkarten

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Leibniz-Institut für Nutztierbiologie (FBN)
Wilhelm-Stahl-Allee 2, 18196 Dummerstorf
Vorstand Prof. Dr. Klaus Wimmers
T +49 38208-68 600
E wimmersfbn-dummerstorfde

Wissenschaftsorganisation Dr. Norbert K. Borowy
Wilhelm-Stahl-Allee 2, 18196 Dummerstorf
T +49 38208-68 605
E borowyfbn-dummerstorfde
www.fbn-dummerstorf.de


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Dr. Norbert K. Borowy (li.) diskutiert auf der MeLa über neue Forschungsaufgaben in der Tierproduktion.