Schweine verraten ihre Gefühle durch Grunzen

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Emotionen von Schweinen können jetzt entschlüsselt werden. Anhand tausender Laute, die entlang des gesamten Lebens von Schweinen - von der Geburt bis zum Tod -, und unter einer Vielzahl von Bedingungen und Lebensstadien aufgenommen wurden, hat ein internationales Forscher:innenteam als erstes weltweit die Grunzlaute von Schweinen in tatsächliche Emotionen übersetzt. Die Studie wurde unter Beteiligung der Universität Kopenhagen, der ETH Zürich und dem französischen Nationalen Forschungsinstitut für Landwirtschaft, Ernährung und Umwelt (INRAE) zusammen mit Forscher:innen des Forschungsinstituts für Nutztierbiologie (FBN) und anderen internationalen Wissenschaftler:innen durchgeführt, und kann in Zukunft zur Verbesserung des Tierschutzes beitragen.

Sagt ein Schweinegrunzen mehr als tausend Worte? Vielleicht ja. In einer neuen Studie hat ein internationales Team von Forscher:innen aus Dänemark, der Schweiz, Frankreich, Deutschland, Norwegen und der Tschechischen Republik das Grunzen von Schweinen in Emotionen übersetzt. Die Ergebnisse sind heute in Scientific Reports veröffentlicht worden. [link: https://www.nature.com/articles/s41598-022-07174-8]

Anhand von mehr als 7000 Tonaufnahmen von Schweinen haben die Forscher:innen einen Algorithmus entwickelt, der dekodieren kann, ob ein einzelnes Schwein eine positive Emotion ("glücklich" oder "aufgeregt"), eine negative Emotion ("verängstigt" oder "gestresst") oder irgendetwas dazwischen empfindet. Die Aufnahmen wurden in einer Vielzahl von Situationen gesammelt, denen Hausschweine ausgesetzt sind, sowohl positiven als auch negativen.

Kurze Grunzlaute sind "glückliche" Grunzlaute
Die Forscher:innen nahmen Schweinelaute sowohl in kommerziellen als auch in experimentellen Szenarien auf, die aufgrund des Verhaltens der Schweine entweder als positiv oder negativ gewertet werden können.
Sie analysierten dann die mehr als 7000 Audioaufnahmen, um zu sehen, ob es ein Muster in den Lauten in Abhängigkeit von den Emotionen gab, und ob sie die positiven Situationen und Emotionen von den negativen unterscheiden konnten. Wie bereits in früheren Untersuchungen festgestellt, sammelten die Forscher:innen in negativen Situationen mehr hochfrequente Rufe (wie Schreie und Quieken). Gleichzeitig traten niederfrequente Rufe (wie Bellen und Grunzen) sowohl in Situationen auf, in denen die Schweine positive als auch negative Gefühle empfanden.
"Es gibt deutliche Unterschiede in den Rufen der Schweine, wenn wir positive und negative Situationen betrachten. In positiven Situationen sind die Rufe viel kürzer, mit geringen Schwankungen in der Amplitude. Wenn wir einen Algorithmus zur Erkennung dieser Laute trainieren, können wir 92 % der Rufe der richtigen Emotion zuordnen", erklärt Elodie Briefer von der Universität Kopenhagen.

Landwirte können die Emotionen von Tieren überwachen
Die Erforschung der Emotionen von Tieren ist ein relativ neues Gebiet, das sich in den letzten 20 Jahren entwickelt hat. Heute ist allgemein anerkannt, dass die psychische Gesundheit von Tieren für ihr allgemeines Wohlbefinden wichtig ist. Die Autor:innen der Studie hoffen, dass ihr Algorithmus den Weg dafür ebnet, dass Tierhalter das Wohlbefinden ihrer Tiere überwachen können.


Fakten:

  • Sechzehn Forscher:innen aus Dänemark, der Schweiz, Frankreich, Deutschland, Norwegen und der Tschechischen Republik nahmen an der Studie teil.
  • Sie nahmen 7414 Laute von 411 Schweinen in verschiedenen Situationen auf, von der Geburt bis zum Tod.  
  • Die Emotionen wurden daraus abgeleitet, wie die Schweine auf verschiedene positive und negative äußere Reize reagieren und ob die Reize ihr Leben verbessern (positiv) oder bedrohen (negativ) können.
  • Ein Algorithmus für maschinelles Lernen wurde trainiert, um die Rufe von Schweinen in Abhängigkeit von positiven oder negativen Emotionen klassifizieren zu können.


Kontakt:  
Sandra Düpjan
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Institut für Verhaltensphysiologie
Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN)
duepjan{at}fbn-dummerstorf.de


Elodie Floriane Mandel-Briefer
Associate Professor
Department of Biology
University of Copenhagen
elodie.briefer{at}bio.ku.dk


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