Neue Erkenntnisse befeuern Debatte um Methanproduktion in der Landwirtschaft

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Studie von britischen, norwegischen und neuseeländischen Forschenden entwickelt neue Bewertungsformel

Landwirtschaftliche Nutztierhaltung ist schlecht für das Klima, die Kuh als Klimakillerin – diese Thesen werden in der Debatte um die Reduktion von CO2-Emissionen gern wiederholt. Wissenschaftler:innen der University of Oxford, der University of Reading, CICERO Oslo und der Victoria University of Wellington kommen in einer neuen gemeinsamen Studie jedoch zu einem klaren Ergebnis: Eine konstante Emissionsrate von kurzlebigen Treibhausgasen, wie beispielsweise Methan, führt zu keiner Änderung der Erderwärmung. Das bedeutet: Eine Rinderherde mit konstanter Methanproduktion trägt nicht zur weiteren Erwärmung der Atmosphäre bei. Vielmehr bewirkt eine Zunahme der Methanemissonsrate eine Erwärmung, eine Abnahme der Methanemissionsrate wiederum eine Abkühlung. Dies wurde mit der herkömmlichen Umrechnung von Methanemissionen in CO2-Äquivalente, wie sie in der internationalen Klimaberichterstattung genutzt werden, nicht richtig wiedergegeben. Das neue Umrechnungsmaß wird jetzt mit CO2* bzw. CO2w abgekürzt.

Die Ergebnisse dieser Studie werden in einem aktuellen Forschungsbericht des österreichischen landwirtschaftlichen Forschungsinstituts HBLFA Raumberg-Grumpenstein bestätigt. Ausgangspunkt für eine Modellierung der Erwärmungseffekte durch Methan und Lachgas aus der Landwirtschaft waren präzise Tierbestandsdaten aus der Frühzeit der Industrialisierung. Für das Österreich von 1890 ergeben sich sehr ähnliche Methanemissionen wie heute, auch wegen der früher größeren Anzahl an Zugtieren. Der gesamte über die Zeitachse seit 1890 aufsummierte wirksame Erwärmungseffekt war wegen der schnellen Abbaubarkeit des Methans und der anschließenden Wiederaufnahme des Kohlenstoffs durch die Landwirtschaft sehr gering und nahe der Netto-Null Klimaneutralität.

Diese Ergebnisse hängen mit der Freisetzung von Methan unterschiedlichen Ursprungs zusammen: Fossiles Methan aus der Erdgasförderung wird nach acht bis zwölf Jahren in CO2 umgewandelt. Dabei wird insgesamt mehr Kohlenstoff in die Atmosphäre überführt als in Böden gebunden werden kann – dies führt wiederum zu einer weiteren Erwärmung der Erdoberfläche. Methan aus der Nutztierhaltung, mit Nutzung vorhandener Biomasse, gelangt ebenfalls in die Atmosphäre und wird nach wenigen Jahren in CO2 umgewandelt, allerdings wird der entsprechende Kohlenstoff wieder in gleichem Maße von Pflanzen und Böden gebunden. Dies funktioniert aber nur, wenn die Kohlenstoffsenken in ihrer Funktion nicht beeinträchtigt werden, d.h. wenn Böden nicht weiter versiegelt oder entwässert bzw. Wälder abgeholzt werden.

Die Wissenschaftler:innen am FBN unterstützen die wichtigen und notwendigen Maßnahmen zur Reduktion von Emissionen und der Erderwärmung. Vor allem an Möglichkeiten der Verminderung des Methanausstoßes von Wiederkäuern, und dem damit verbundenen Abkühlungseffekt, wird intensiv geforscht, wie beispielsweise in den Projekten „eMissionCow“, „MethAnLand“ und „BlueCow“. Die Berücksichtigung von ökologischen Kreisläufen und die Nutzung rezenter Biomasse ist dabei entscheidend.

 

Weitere Informationen:

https://www.nature.com/articles/s41612-018-0026-8

https://www.carbonbrief.org/guest-post-a-new-way-to-assess-global-warming-potential-of-short-lived-pollutants

https://www.farmlife.at/ask/index.php#_blank


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