Dummerstorfer Reproduktionsbiologen freuen sich über das prächtige Gedeihen von Lorinna ET

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Eines der ersten Fohlen nach Transfer eines eingefrorenen und wieder aufgetauten Embryos in Deutschland geboren

Am 4. Juli diesen Jahres brachte die Stute Jurette in Dummerstorf bei Rostock ein quicklebendiges Fohlen zur Welt, dem der ungewöhnliche Namen Lorinna ET gegeben wurde. Auch seine Herkunft ist ungewöhnlich. Unter der Leitung von Professor Wilhelm Kanitz haben Fortpflanzungsbiologen des Forschungsinstituts für die Biologie landwirtschaftlicher Nutztiere (FBN Dummerstorf) bereits im März 2003 Lorinna ET’s „leiblicher Mutter“, der Warmblutstute Gloria Embryonen entnommen und diese bei –196°C in flüssigem Stickstoff aufbewahrt. Im August 2004 ist dann ein Embryo aufgetaut und in die „Leihstute“ Jurette übertragen worden. Trächtigkeit und Geburt verliefen komplikationslos. Damit ist in Mecklenburg-Vorpommern ein Embryotransfer beim Pferd erstmals nach Tiefgefrierkonservierung des Embryos erfolgreich durchgeführt worden. In ganz Deutschland gibt es nur eine Handvoll Pferde, die so wie Lorinna ET erzeugt worden sind.

Ein wesentlicher Grund für die Anwendung des Embryotransfers beim Pferd besteht darin, Nachkommen von leistungsstarken Stuten zu erzeugen, ohne dass diese Tiere aus dem Trainingsbetrieb und Turniersport genommen werden müssen. Ein weiterer Aspekt für die Anwendung des Verfahrens ist die Erzeugung von Nachkommen von wertvollen Stuten, die aus Altersgründen oder gesundheitlich bedingt keine Fohlen mehr austragen können bzw. sollten. Darüber hinaus wird die Reproduktionstechnik für eine erhöhte Vermehrung ökonomisch besonders wertvoller und zur Erhaltung vom Aussterben bedrohter Rassen genutzt. Für die Dummerstorfer Reproduktionsbiologen ist der Embryotransfer nicht zuletzt auch eine sehr interessante Forschungsmethode, um Einflüsse der Mutter oder des Empfängertieres auf Merkmale der Nachkommen aufzuklären.

Im FBN Dummerstorf wird seit 10 Jahren zur Reproduktionsbiologie von Pferden geforscht. Dabei arbeitet das Institut auch eng mit dem Landgestüt in Redefin und dem Gestüt Kempke Hof in Plaaz, der Heimat des Hengstes Licanto, Lorinna ET’s Vater, zusammen. Embryotransfer wird seit den 70-iger Jahren beim Pferd angewandt. 98 % der Embryonen werden unmittelbar nach ihrer Gewinnung oder nach zeitlich begrenztem Transport übertragen. Nur 2 % der Embryonen werden nach Tiefgefrierkonservierung und nachfolgendem Auftauen transferiert. Über die Anzahl der Nachkommen aus dem Transfer tiefgefrorener und wieder aufgetauter Embryonen liegen national und international keine Angaben vor. Der sehr geringe Anteil tiefgefrorener Embryonen resultiert aus biologischen Besonderheiten der frühen Embryonalentwicklung beim Pferd, welche die erfolgreiche Anwendung von Tiefgefriertechniken im Vergleich zu anderen Tierarten deutlich erschwert.

Das FBN Dummerstorf erforscht die funktionelle Biodiversität von Nutztieren als entscheidende Grundlage einer nachhaltigen Landwirtschaft, als bedeutendes Potential für die langfristige globale Ernährungssicherung und wesentliche Basis des Lebens. Das FBN ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, der 84 außeruniversitäre Forschungsinstitute und Serviceeinrichtungen für die Forschung angehören. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute beschäftigen rund 12.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, arbeiten interdisziplinär und verbinden Grundlagenforschung mit Anwendungsnähe. Da sie Vorhaben im gesamtstaatlichen Interesse betreiben, werden sie von Bund und Ländern gemeinsam gefördert.

Foto 1 FBN: Lorinna ET
Foto 2 FBN: Lorinna ET mit „Leih-Stute“ Jurette und dem Dummerstorfer Reproduktionsbiologenteam unter Leitung von Professor Wilhelm Kanitz (3. von links)

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