Corona‐Pandemie und Nutztierhaltung – aktuelle Erkenntnisse und Maßnahmen

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Die Corona-Pandemie bereitet uns allen Sorgen und bestimmt derzeit unser Leben in einem unerwarteten Maß. Wir sehen, dass eine große Unsicherheit besteht und es viele Fragen gibt.  Zusammen mit Forschungseinrichtungen auf der ganzen Welt versucht auch das Leibniz-Institut für Nutztierbiologie (FBN) wissenschaftlich fundierte Antworten auf diese Fragen zu geben.

Am FBN versuchen wir, Tiere besser zu verstehen und erforschen die Bedingungen und Möglichkeiten einer tier-, umwelt- und klimafreundlichen Nutztierhaltung. Aktuell halten wir am Institut Rinder, Schweine, Hühner, Fische, Mäuse und sogar Insekten. Auch wir stehen in der Verantwortung für die Versorgung unserer Tiere und haben dafür entsprechende Vorkehrungen getroffen. Wir berücksichtigen die behördlichen Auflagen und setzen sie um (angepasste Personal- und Schichtplanung, Kontaktreduzierung, Abstandsgebot, Notfallpläne).

Die derzeitige weltweite Krise macht uns deutlich bewusst, dass eine nachhaltig betriebene Landwirtschaft hier vor Ort essentiell ist für eine verlässliche Versorgung mit sicheren Lebensmitteln. Das zeigt auch die Anerkennung der Land- und Ernährungswirtschaft als systemrelevante Infrastruktur durch das Bundeskabinett vom 23. März 2020.

Coronaviren (CoV) sind eine Familie von RNA (Ribonukleinsäure)-Viren. Sie sind sowohl bei Tieren als auch bei Menschen häufig und verursachen Krankheiten wie Erkältungen bis zu schwereren Atemwegserkrankungen, aber auch Magendarmentzündungen und Durchfälle oder Allgemeiner-krankungen. Aber es gibt eine Reihe verschiedener Coronaviren, die sich in vielen Eigenschaften, wie ihrer krank- und immunmachenden Wirkung, Ansteckungsfähigkeit und ihrem Wirtsspektrum, deutlich unterscheiden.

Es hat schon zuvor weltweit verbreitete Infektionskrankheiten mit Coronaviren beim Menschen gegeben. Für diese Pandemien, das schwere akuten Atemwegssyndrom (verursacht durch SARS-CoV; Pandemie 2003) sowie das Nahost-Atemwegssyndrom (verursacht durch MERS-CoV; Pandemie 2012), wurden CoV als ursächlich identifiziert, die ursprünglich bei Tieren vorkamen (SARS-CoV von Zibetkatzen; MERS-CoV von Dromedar-Kamelen; [1]).

Die derzeitige Pandemie mit SARS-CoV-2 (offizielle Bezeichnung des Virus durch das Internationalen Komitee für die Taxonomie von Viren (ICTV)) geht nach derzeitigen Erkenntnissen ebenfalls darauf zurück, dass das Virus die Artenbarriere überwunden hat. Durch Mutationen, d.h. zufällige Veränderung, der Erbsubstanz der Viren (RNA) wurde vermutlich ein Virus, das ursprünglich bei Fledermäusen vorkommt, direkt oder indirekt über weitere Zwischenwirte infektiös und gefährlich für den Menschen [2, 3]. Dies muss aber noch abschließend geklärt werden. Für das SARS-CoV-2 ist die Übertragung von Mensch zu Mensch der Weg für die Ausbreitung der Krankheit COVID-19 (Bezeichnung der Infektionserkrankung durch SARS-CoV-2).

Sind nun unsere Haus- und Nutztiere eine Ansteckungsquelle mit SARS-CoV-2? Oder können wir unsere Tiere anstecken?

Laut dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, gibt es derzeit keine Hinweise darauf, dass sich Nutztiere am SARS-CoV-2-Virus anstecken, das Virus  übertragen oder weiterverbreiten können. Bislang wurde in zwei Fällen bei Hunden, die sehr engen Kontakt zu infizierten Personen hatten, genetisches Material des Virus SARS-CoV-2 in sehr geringen Spuren nachgewiesen ([4] OIE-Berichte).

Hygienemaßnahmen beim Umgang mit Haustieren, wie Händewaschen vor und nach Kontakt mit Haustieren, Vermeidung von Küssen und Lecken, sollten grundsätzlich eingehalten werden. Weiter wird empfohlen, dass an COVID-19 erkrankte Menschen engen Kontakt mit Haustieren vermeiden.

Bei unseren Nutztieren – Rind, Schwein und Geflügel – kommen auch Infektionskrankheiten vor, die durch Coronaviren verursacht werden. Diese unterscheiden sich aber deutlich von SARS-CoV-2. Auch für Nutztiere gibt es derzeit keine Hinweise, dass sie an Infektionen mit SARS-CoV-2 erkranken können oder bei der Übertragung des Virus eine Rolle spielen. Das FLI auf der Insel Riems führt wissenschaftliche Versuchsreihen durch, die die Empfänglichkeit der Tiere für SARS-CoV-2 endgültig klären werden. Mit ersten Ergebnissen wird aber nicht vor Ende April 2020 gerechnet. Selbstverständlich gelten auch beim Umgang mit Nutztieren die angeführten Hygienemaßnahmen.

Auf der Grundlage der derzeit verfügbaren Informationen werden Handelsbeschränkungen für Tiere oder Tierprodukte nicht empfohlen. Eine Übertragung des Virus durch Lebensmittel wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft als unwahrscheinlich eingeschätzt.

 

  1. de Wit, E., van Doremalen, N., Falzarano, D. et al. SARS and MERS: recent insights into emerging coronaviruses. Nat Rev Microbiol 14, 523–534 (2016). https://doi.org/10.1038/nrmicro.2016.81
  2. Zhou P, Yang XL, Wang XG, Hu B, Zhang L, Zhang W, Si HR, Zhu Y, Li B, Huang CL, Chen HD, Chen J, Luo Y, Guo H, Jiang RD, Liu MQ, Chen Y, Shen XR, Wang X, Zheng XS, Zhao K, Chen QJ, Deng F, Liu LL, Yan B, Zhan FX, Wang YY, Xiao GF, Shi ZL. A pneumonia outbreak associated with a new coronavirus of probable bat origin. Nature. 2020 Mar;579(7798):270-273. https://doi.org/10.1038/s41586-020-2012-7. Epub 2020 Feb 3. PubMed PMID: 32015507.
  3. Li C, Yang Y, Ren L. Genetic evolution analysis of 2019 novel coronavirus and coronavirus from other species. Infect Genet Evol. 2020 Mar 10;82:104285. https://doi.org/10.1016/j.meegid.2020.104285. [Epub ahead of print]; PMID: 32169673
  4. OIE (Organisation Mondiale de la Santé Animale), World Organisation for Animal Health; https://www.oie.int/en/scientific-expertise/specific-information-and-recommendations/questions-and-answers-on-2019novel-coronavirus/; access March 27, 2020

 

Leibniz-Institut für Nutztierbiologie (FBN)
Wilhelm-Stahl-Allee 2, 18196 Dummerstorf
Vorstand: Prof. Klaus Wimmers
T +49 38208-68 600
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