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Domestication - Biological Diversity - Animal Breeding: 1.2

Domestication - Biological Diversity - Animal Breeding: 1.2

Bedeutung komplexer Vererbungsmechanismen bei der Ausprägung von Leistung und Adaptationsvermögen

Ziel dieses Forschungsschwerpunktes ist es, neue Erkenntnisse über grundlegende Prozesse der Vererbung und Ausprägung tierischer Leistungen zu erarbeiten und einen Beitrag zum Erhalt der biologischen Variabilität unter den Bedingungen der künstlichen Selektion zu leisten. Biologische Vielfalt war und ist die Voraussetzung für die natürliche, aber auch künstliche Auslese und macht die Veränderung von Arten und deren Anpassung an die jeweiligen Umweltbedingungen erst möglich. Für nahezu alle ökonomisch bedeutenden und züchterisch beeinflussbaren Merkmale gilt, dass die genetische Steuerung über mehrere Loci erfolgt, teilweise unter Beteiligung von Phänomenen, die von der klassischen Vererbungstheorie abweichen. Dementsprechend sind Majorgene beim Nutztier selten. Für die Merkmalsausprägung sind dabei additive und nicht-additive genetische Effekte von Bedeutung. Kartierungsprojekte bei Nutztieren zeigen, dass nach wie vor auch in Hochleistungspopulationen in vielen Genomregionen unterschiedliche Genvarianten für Leistungsmerkmale vorhanden sind. Außerdem ist die phänotypische Auswirkung vieler Mutationen vom jeweiligen genetischen Hintergrund abhängig. Eine Rolle spielen auch epigenetische Phänomene, die als von der Nukleinsäuresequenz unabhängige Mechanismen Einfluss auf die Regulation/Expression von Genen haben und die Weitergabe dieses Zustandes von Zelle zu Zelle ermöglichen.
Die Identifizierung von merkmalsbeeinflussenden Genombereichen und eng gekoppelten Markern und deren Nutzung in der Selektion bei gleichzeitig weitgehendem Erhalt der biologischen Vielfalt bedarf der Entwicklung geeigneter genetisch-statistischer Verfahren und Modelle. Die Bedeutung von DNA-Sequenzvariationen, epigenetischen Effekten, Gen-Gen- und Gen-Umwelt-Interaktionen ist bei der Entwicklung solcher Modelle zu berücksichtigen und ihr Beitrag zur Merkmalsausprägung zu schätzen. Schließlich kann die Untersuchung von  Expressionsprofilen zur Definition neuer phänotypischer Merkmale führen und dadurch Aufschluss über die Ko-Regulation von Genen und ihrer funktionellen Vernetzung geben.